Bioshock,
World of Warcraft und
Command & Conquer: Tiberium Wars sind gute Spiele.
Psychonauts,
NoX und
Startopiaauch. Der große Unterschied: Die ersten Drei sind bekannt, verkaufen sich hervorragend, bleiben im Gespräch - wahrscheinlich erinnern wir uns in drei Jahren gerne an sie zurück. Bei den letzten Drei ist das anders, die kennt kaum mehr jemand. Der Markt hat sie verschluckt, still verdaut und sie kurze Zeit später in die Wühlkisten von Elektromärkten gespruckt.
Es sind die gescheiterten Spiel-Existenzen, die heute als Geheimtipps gehandelt werden. Geheimtipps, auf deren Spuren wir gewandert sind, um die schönsten Perlen zu finden, die (fast) niemand gespielt hat.
Blutsauger Vampire: The Masquerade - Bloodlines ist eine dieser Perlen. Gerade mal vier Jahre hat das humoristische Rollenspiel von Activision heute auf dem Buckel. An Skurrilität ist es kaum zu überbieten - wo sonst finden Sie Mini-Spiele auf dem Friedhof, chinesische Monster und sieben vampirische Charakterklassen?
All das packte Entwickler Troika in eine Art
Deus Ex mit Untoten, spendierte außerdem unterschiedliche Lösungswege und vier Enden. Eines davon zu sehen war allerdings ein Ding der Unmöglichkeit: In der Verkaufsversion verhinderte ein Patch das Weiterkommen - weil Troika seine Pforten schloss, mussten Fans für einen Patch sorgen. Den sprichwörtlichen Griff ins Klo aber landete Activision mit einer gedankenlosen Fehlentscheidung: Die Veröffentlichung wurde auf den 16. November 2004 gelegt - am selben Tag erschien das lang ersehnte
Half-Life 2 von Valve.
Gut und Böse Nicht nur eine Fehlentscheidung, sondern vielleicht auch ein Fluch: Wenn Ubisoft eine neue Marke etablieren möchte, geht das (kommerziell) meistens schief.
XIII fand nur wenige Käufer, von
Dark Messiah of Might and Magic ganz zu schweigen. Das gleiche Schicksal ereilte auch
Beyond Good & Evil, den interessanten Mix aus Action-Adventure und Stealth-Elementen aus dem schönen Montpellier in Frankreich.
Darin spielen Sie die smarte Photo-Journalistin Jade, bewaffnet mit Kamera und begleitet von einem vierbeinigen Gefährten sowie ihrem schweinischen Onkel, im wahrsten Sinne des Wortes. Ob es die skurrile Kombination aus ungewöhnlicher Protagonisten war, die Spieler auf der ganzen Welt von einem Kauf zurückschrecken ließ? Oder die übermächtige Konkurrenz aus Ubisofts eigenen Reihen, wie zum Beispiel
Splinter Cell und
Prince of Persia? Eine klare Antwort ist schwer zu finden, es war wohl eine Kombination aus beiden Faktoren.
Vergeltung Argh! Schon wieder weibliche Protagonisten! Ein K.o.-Kriterium, zumindest auf dem umsatzstärksten Markt für PC- und Videospiele, den Vereinigten Staaten.
Tribes: Vengeance kämpfte erschwerend mit einem anderen Problem: dem Mehrspielermodus. Während die Solo-Kampagne genial inszeniert und fantastisch abgedreht war, langweilten sich die meisten Spieler auf den Online-Servern zu Tode. Wenige hielten ihren Ärger zurück, kritisierten stattdessen lauthals - das schreckte ab, vor allem die interessierten Käufer. Die hatten nämlich anno 2004 die Wahl:
Tribes: Vengeance oder
Half-Life 2.
Half-Life 2 machte abermals das Rennen.
Traumwelten Dreamfall: The Longest Journey
Zwei Jahre Später versuchten sich die Adventures an einem Comeback - mit bescheidenem Erfolg.
Dreamfall: The Longest Journey gab sein Möglichstes, scheiterte letztendlich aber am Nischendasein des Genres. Es erzählte eine spannende Geschichte mit interessanten, fairen Rätseln. Nur kaufen wollte
The Longest Journey niemand.
Psychonauts, ein kurioser Mix aus Adventure und Action-Adventure, rutschte immerhin 400.000 Mal über die Ladentheken. Das mag nach viel klingen, verblasst allerdings in Relation zur hohen Qualität des Spiels. Unfassbar, wie viele Awards und positive Kritiken das Spiel bekommen hat. Unfassbar, wie wenige Menschen den genialen Humor, das innovative Konzept und die skurrile Geschichte zu Gesicht bekamen.
Es stellt sich erneut die Frage: Woran hat's gelegen? Möglicherweise waren die vorab veröffentlichten Screenshots Schuld am kommerziellen Desaster: In Bewegung machte das Spiel einen fantastischen Eindruck, in der Statik allerdings schien es vor Langeweile erstarrt. Damals interessierte sich kaum jemand dafür. Heute gilt es als Geheimtipp!
In der Galerie (die ersten 10 Bilder) finden Sie unsere Top 10 der "Besten Spiele, die niemand gespielt hat".